Mein Hund hat Durchfall – was hilft und wann muss ich zum Tierarzt?

Durchfall gehört zu den häufigsten Beschwerden beim Hund – und sorgt verständlicherweise schnell für Unsicherheit.

Die gute Nachricht: Nicht jeder Durchfall ist ein Notfall.

Ein Hund kann etwas Unverträgliches gefressen haben, auf eine Futterumstellung reagieren oder sich schlicht den Magen verdorben haben. In vielen Fällen normalisiert sich die Verdauung schnell wieder.

Entscheidend sind vor allem drei Fragen:

Wie geht es deinem Hund insgesamt? Wie stark ist der Durchfall? Und gibt es weitere Symptome?

Wann darf ich Durchfall zunächst beobachten?

Hat ein ansonsten gesunder, erwachsener Hund plötzlich weichen oder flüssigen Kot, ist aber munter, aufmerksam, trinkt normal und erbricht nicht, kann man zunächst beobachten.

Ein- oder zweimaliger Durchfall ist bei einem erwachsenen Hund nicht automatisch ein Grund für einen sofortigen Tierarztbesuch.

Wichtig ist allerdings, dass sich der Allgemeinzustand nicht verschlechtert und dein Hund ausreichend Flüssigkeit aufnimmt.

Bei Welpen, sehr kleinen Hunden, Senioren und Hunden mit Vorerkrankungen sollte man vorsichtiger sein. Sie können Flüssigkeitsverluste schlechter ausgleichen und sollten deshalb früher tierärztlich untersucht werden.


Was kann ich meinem Hund bei Durchfall geben?

Bei leichtem Durchfall und gutem Allgemeinzustand steht zunächst eine möglichst schonende Versorgung des Magen-Darm-Traktes im Vordergrund.

Das Wichtigste ist Wasser.

Dein Hund sollte jederzeit Zugang zu frischem Trinkwasser haben. Bei Durchfall verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte.

Beim Futter sind kleine Portionen einer leicht verdaulichen Nahrung sinnvoller als eine große Mahlzeit.

Geeignet können beispielsweise spezielle veterinärmedizinische Magen-Darm-Diäten sein. Auch selbst zubereitete Schonkost kann kurzfristig eine Möglichkeit sein – allerdings sollte sie nicht über längere Zeit ohne tierärztliche Beratung gefüttert werden.

Bei wiederkehrendem oder länger anhaltendem Durchfall ist es wichtiger, die Ursache herauszufinden, als immer wieder nur das Futter zu wechseln.


Sollte mein Hund bei Durchfall fasten?

Die früher häufig empfohlene lange „Nulldiät“ ist nicht für jeden Hund sinnvoll.

Insbesondere Welpen, kleine Hunde, Senioren und Tiere mit bestimmten Vorerkrankungen sollten nicht einfach längere Zeit nüchtern bleiben.

Bei unkompliziertem Durchfall werden kleine Portionen gut verträglichen Futters häufig besser vertragen als lange Futterpausen.

Ob eine Futterpause sinnvoll ist, hängt vom individuellen Fall und insbesondere davon ab, ob zusätzlich Erbrechen auftritt.


Was sollte ich bei Durchfall nicht machen?

Bitte gib deinem Hund nicht einfach Medikamente aus der menschlichen Hausapotheke.

Medikamente gegen Durchfall oder Schmerzen, die für Menschen gedacht sind, können für Hunde ungeeignet oder sogar gefährlich sein.

Auch Antibiotika sind bei einem unkomplizierten Durchfall keineswegs automatisch erforderlich.

Und noch etwas sehen wir in der Praxis häufig:

Nicht ständig das Futter wechseln.

Wer innerhalb weniger Tage Hühnchen mit Reis, mehrere Futtersorten, verschiedene Kauartikel und diverse Nahrungsergänzungen ausprobiert, macht es dem ohnehin gereizten Darm manchmal noch schwerer, sich zu stabilisieren.


Wann muss mein Hund mit Durchfall zum Tierarzt?

Nicht die Konsistenz des Kotes allein entscheidet darüber, wie dringend die Situation ist.

Viel wichtiger ist, wie es deinem Hund insgesamt geht.

Eine tierärztliche Untersuchung ist insbesondere sinnvoll, wenn:

  • der Durchfall sehr häufig oder sehr wässrig ist
  • dein Hund deutlich weniger trinkt
  • zusätzlich wiederholtes Erbrechen auftritt
  • dein Hund ungewöhnlich ruhig, schwach oder teilnahmslos wirkt
  • Fieber auftritt
  • deutliche Bauchschmerzen bestehen
  • dein Hund nicht mehr fressen möchte
  • der Durchfall immer wiederkehrt
  • dein Hund sichtbar Gewicht verliert
  • größere Mengen Blut im Kot auftreten
  • der Kot schwarz oder teerartig aussieht
  • ein Welpe oder sehr alter Hund betroffen ist
  • dein Hund eine relevante Vorerkrankung hat

Verschlechtert sich der Allgemeinzustand deutlich, sollte nicht abgewartet werden.


Blut im Durchfall – ist das ein Notfall?

Blut im Kot sieht verständlicherweise zunächst dramatisch aus.

Dabei ist Blut nicht gleich Blut.

Kleine Mengen frischen, hellroten Blutes können beispielsweise bei einer starken Reizung des Dickdarms auftreten. Das muss nicht automatisch bedeuten, dass eine lebensbedrohliche Erkrankung vorliegt.

Anders sieht es aus, wenn große Mengen Blut auftreten, der Durchfall sehr heftig ist oder der Hund gleichzeitig schwach, apathisch oder kreislaufinstabil wirkt.

Auch schwarzer, teerartiger Kot sollte tierärztlich abgeklärt werden, da er auf verdautes Blut aus einem weiter vorne gelegenen Abschnitt des Magen-Darm-Traktes hinweisen kann.

Im Zweifel solltest du uns lieber kontaktieren und die Situation schildern.


Durchfall und Erbrechen gleichzeitig

Treten Durchfall und Erbrechen gleichzeitig auf, verliert der Hund wesentlich schneller Flüssigkeit.

Kann dein Hund Wasser nicht bei sich behalten oder erbricht immer wieder, sollte er tierärztlich untersucht werden.

Besonders bei Welpen und kleinen Hunden kann sich der Zustand innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich verschlechtern.

Auch ein Fremdkörper, eine Vergiftung, eine schwere Magen-Darm-Entzündung oder beispielsweise eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung können mit Erbrechen und Durchfall einhergehen.


Durchfall beim Welpen

Bei einem Welpen gelten andere Maßstäbe als bei einem gesunden erwachsenen Hund.

Welpen haben geringere Reserven und können bei starkem Durchfall schneller austrocknen oder unterzuckern.

Hinzu kommt, dass bei jungen Hunden Infektionen und Darmparasiten eine größere Rolle spielen können.

Ein Welpe mit starkem oder wiederholtem Durchfall, Erbrechen, Fressunlust oder einem beeinträchtigten Allgemeinzustand sollte deshalb frühzeitig tierärztlich untersucht werden.


Welche Ursachen kann Durchfall beim Hund haben?

Durchfall ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom.

Die möglichen Ursachen reichen von völlig harmlos bis ernst.

Sehr häufig sehen wir:

  • ungewohntes oder zu fettreiches Futter
  • plötzliche Futterumstellungen
  • verdorbene Lebensmittel
  • das Fressen von Abfällen oder Dingen beim Spaziergang
  • Stress und Aufregung
  • Futtermittelunverträglichkeiten
  • Darmparasiten wie Giardien oder Würmer
  • bakterielle oder virale Infektionen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten

Aber auch Erkrankungen außerhalb des eigentlichen Darms können Durchfall verursachen.

Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Lebererkrankungen, hormonelle Störungen oder chronisch-entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.

Deshalb gilt:

Ein einmaliger Durchfall ist etwas anderes als Durchfall, der immer wiederkommt.


Mein Hund hat immer wieder Durchfall

Wiederkehrender Durchfall sollte nicht dauerhaft mit Schonkost oder verschiedenen Darmpräparaten „wegbehandelt“ werden.

Dann lohnt sich eine systematische Suche nach der Ursache.

Dabei interessiert uns unter anderem:

Was frisst der Hund?

Seit wann bestehen die Beschwerden?

Gibt es einen Zusammenhang mit bestimmten Futtermitteln oder Leckerchen?

Hat der Hund Gewicht verloren?

Wie häufig wird er entwurmt beziehungsweise der Kot auf Parasiten untersucht?

Gab es Aufenthalte im Ausland?

Bekommt der Hund Medikamente?

Gibt es zusätzlich Erbrechen, Blähungen oder Bauchschmerzen?

Diese Informationen können für die weitere Diagnostik ausgesprochen hilfreich sein.


Sollte ich eine Kotprobe mitbringen?

Ja – besonders bei wiederkehrendem Durchfall kann das sehr sinnvoll sein.

Darmparasiten und Giardien gehören zu den möglichen Ursachen von Durchfall.

Da Parasiten beziehungsweise deren Entwicklungsstadien nicht unbedingt mit jedem Kotabsatz ausgeschieden werden, kann je nach Fragestellung eine Sammelkotprobe über mehrere Tage sinnvoll sein.

Wenn du unsicher bist, ruf uns kurz an. Wir sagen dir, welche Probe wir für die geplante Untersuchung benötigen.


Was untersucht der Tierarzt bei Durchfall?

Das hängt davon ab, wie schwer dein Hund erkrankt ist und wie lange die Beschwerden bereits bestehen.

Am Anfang steht immer die klinische Untersuchung.

Dabei beurteilen wir unter anderem Allgemeinzustand, Kreislauf, Schleimhäute, Flüssigkeitshaushalt, Temperatur und den Bauchraum.

Je nach Befund können anschließend weitere Untersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise:

  • Kotuntersuchungen
  • Blutuntersuchungen
  • Ultraschall des Bauchraums
  • Röntgenuntersuchungen
  • spezielle Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse oder anderer Organe

Nicht jeder Hund mit Durchfall benötigt sofort das komplette diagnostische Programm.

Unser Ziel ist eine Diagnostik, die zum jeweiligen Patienten und zur Schwere der Erkrankung passt.


Wie lange darf ein Hund Durchfall haben?

Ein leichter, akuter Durchfall kann sich bei einem ansonsten gesunden erwachsenen Hund innerhalb kurzer Zeit wieder normalisieren.

Hält der Durchfall jedoch an, wird stärker oder tritt immer wieder auf, sollte die Ursache abgeklärt werden.

Noch wichtiger als die genaue Anzahl der Stunden ist der Allgemeinzustand:

Ein munterer Hund mit zweimal weichem Kot ist eine völlig andere Situation als ein Hund mit wässrigem Durchfall, Erbrechen und zunehmender Schwäche.

Deshalb sollte man nicht nur auf den Kot schauen – sondern immer auf den ganzen Hund.


Wann ist Durchfall beim Hund ein Notfall?

Sofort handeln solltest du insbesondere bei:

  • starker Schwäche oder Teilnahmslosigkeit
  • Kreislaufproblemen oder Kollaps
  • sehr starkem oder unstillbarem Erbrechen
  • erheblichen Mengen Blut im Kot
  • schwarzem, teerartigem Kot
  • stark aufgeblähtem oder sehr schmerzhaftem Bauch
  • Verdacht auf einen Fremdkörper
  • Verdacht auf eine Vergiftung
  • rascher Verschlechterung des Allgemeinzustandes

In diesen Situationen sollte nicht darauf gewartet werden, ob sich der Durchfall von alleine bessert.


Unsere Vorgehensweise im Tiermedizinzentrum am Zauberberg

Hunde mit akuten Magen-Darm-Beschwerden gehören zu unseren häufigsten Patienten.

Im Tiermedizinzentrum am Zauberberg in Kelkheim entscheiden wir deshalb zunächst, ob es sich wahrscheinlich um einen unkomplizierten akuten Durchfall handelt oder ob weitere Diagnostik notwendig ist.

Dafür stehen uns je nach Fragestellung unter anderem Labordiagnostik, Kotuntersuchungen, digitales Röntgen und Ultraschall zur Verfügung.

Bei stärkerem Flüssigkeitsverlust können Infusionen notwendig sein. Weitere Medikamente richten sich nach Ursache und Befund.

Unser Ziel ist nicht, jeden Durchfall möglichst umfangreich zu untersuchen.

Wir möchten herausfinden, welcher Hund einfach etwas Unterstützung braucht – und bei welchem Hund Durchfall ein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung ist.


Häufige Fragen zu Durchfall beim Hund

Darf mein Hund bei Durchfall fressen?

Bei einem ansonsten stabilen Hund sind kleine Portionen leicht verdaulichen Futters häufig sinnvoll. Eine längere Futterpause ist nicht für jeden Hund geeignet.

Ist Reis mit Hühnchen bei Durchfall gut?

Als kurzfristige Schonkost kann eine selbst zubereitete Ration bei manchen Hunden funktionieren. Für eine längerfristige Ernährung ist eine solche einfache Mischung jedoch nicht ausgewogen.

Sind Möhrensuppe oder Morosche Karottensuppe sinnvoll?

Sie kann bei unkompliziertem Durchfall unterstützend eingesetzt werden. Sie ersetzt aber keine Untersuchung, wenn der Hund weitere Symptome zeigt oder der Durchfall anhält.

Können Giardien Durchfall verursachen?

Ja. Giardien können insbesondere bei jungen Hunden und in Mehrtierhaushalten eine Rolle spielen und zu wiederkehrendem oder wechselndem Durchfall führen.

Ist Durchfall beim Hund ansteckend?

Das hängt von der Ursache ab. Bei bestimmten Parasiten, Viren oder Bakterien kann eine Übertragung auf andere Tiere möglich sein.

Mein Hund ist fit, hat aber Durchfall – muss ich sofort zum Tierarzt?

Bei einem gesunden erwachsenen Hund mit leichtem, erst kurz bestehendem Durchfall und völlig normalem Allgemeinzustand kann zunächst Beobachten vertretbar sein.

Verschlechtert sich sein Zustand oder kommen weitere Symptome hinzu, sollte er untersucht werden.


Das Wichtigste in Kürze

Hat dein Hund Durchfall, schau nicht nur auf den Kot – schau auf deinen Hund.

Ist ein erwachsener Hund munter, trinkt, erbricht nicht und hatte erst ein- oder zweimal weichen Kot, kann man zunächst beobachten.

Bei Erbrechen, Schwäche, Schmerzen, größeren Mengen Blut, schwarzem Kot oder einer deutlichen Verschlechterung sollte der Hund tierärztlich untersucht werden.

Bei Welpen, Senioren und vorerkrankten Hunden solltest du früher reagieren.


Und wenn du unsicher bist, ob du noch abwarten kannst: Ruf uns an. Oft lässt sich bereits anhand weniger Fragen einschätzen, wie dringend eine Untersuchung ist.

Wenn Ihr Hund Durchfall hat und Sie unsicher sind, lassen Sie ihn lieber einmal zu viel als zu wenig untersuchen.

Tiermedizinzentrum am Zauberberg
Robert-Koch-Str. 116/1
65119 Kelkheim-Ruppertshain

Telefon: (06174) 23443 Unsere Tierärztinnen und Tierärzte helfen Ihnen gerne weiter.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle tierärztliche Untersuchung.