Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz adoptieren – worauf muss ich achten?

Was du vor der Adoption eines Hundes wissen solltest – aus tierärztlicher Sicht

Von Dr. med. vet. Katja Feuerbacher
Tiermedizinzentrum am Zauberberg, Kelkheim

Ein Hund soll einziehen. Und vielleicht möchtest du ganz bewusst keinen Hund kaufen, sondern einem Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz ein neues Zuhause geben.

Vielleicht hast du schon einen Hund im Tierheim kennengelernt. Vielleicht hast du bei einer Tierschutzorganisation ein Foto gesehen, das dich nicht mehr loslässt. Oder du kennst die Geschichte eines Hundes, der bisher kein besonders gutes Leben hatte, und denkst:

Dem möchte ich eine zweite Chance geben.

Das finde ich grundsätzlich wunderbar.

Aber genau wie beim Kauf eines Welpen würde ich auch bei einer Adoption noch einmal ganz von vorne anfangen. Denn die wichtigste Frage lautet für mich auch hier nicht:

Welchen Hund kann ich retten?

Sondern:

„Welcher Hund passt wirklich zu meinem Leben?“

Denn einen Hund zu retten bedeutet für mich nicht nur, ihn aus einer schwierigen Situation herauszuholen. Es bedeutet vor allem, ihm anschließend möglichst ein Zuhause für den Rest seines Lebens zu geben.

Und genau deshalb lohnt es sich, vor einer Adoption genauso sorgfältig hinzuschauen wie vor dem Kauf eines Hundes.

1. Auch beim Tierschutzhund beginnt alles mit deinem eigenen Leben

Natürlich darfst du dich in einen Hund verlieben. Und gerade bei einem Hund aus dem Tierschutz spielen Emotionen häufig eine große Rolle.

Trotzdem würde ich versuchen, zunächst möglichst nüchtern auf meinen tatsächlichen Alltag zu schauen.

Wie viel Zeit habe ich für einen Hund? Wie aktiv bin ich wirklich? Wie lange müsste der Hund regelmäßig alleine bleiben? Leben Kinder, Katzen oder andere Tiere bei mir? Wohne ich eher ruhig oder mitten in der Stadt? Suche ich einen Hund für lange Wanderungen und gemeinsame Aktivitäten oder wünsche ich mir eher einen entspannten Familien- und Begleithund?

Dabei geht es nicht darum, möglichst perfekte Voraussetzungen zu schaffen.

Es geht darum, einen Hund zu finden, dessen Bedürfnisse möglichst gut zu den eigenen Lebensumständen passen.

Eine kleine Wohnung ist beispielsweise nicht automatisch ein Problem. Ein großer Garten ist umgekehrt keine Garantie dafür, dass ein Hund ausreichend beschäftigt wird.

Auch ein Tierschutzhund ist nicht automatisch besonders anspruchsvoll – genauso wenig ist er automatisch unkompliziert oder aus Dankbarkeit besonders leicht zu erziehen.

Entscheidend ist immer der einzelne Hund.

Und deshalb gilt auch hier:

Ein Hund sollte nicht nur in dein Herz, sondern auch in dein Leben passen.

2. Ein Hund aus dem Tierheim ist nicht automatisch ein Problemhund

Über Tierheimhunde gibt es erstaunlich viele Vorurteile.

Manche Menschen glauben, dort säßen hauptsächlich schwierige, kranke oder verhaltensauffällige Hunde. Andere stellen sich vor, ein geretteter Hund sei seinem neuen Menschen besonders dankbar und würde sich deshalb automatisch problemlos in sein neues Zuhause einfügen.

Beides stimmt so nicht.

Hunde kommen aus den unterschiedlichsten Gründen ins Tierheim. Eine Trennung, Krankheit oder der Tod des Besitzers können ebenso dahinterstecken wie finanzielle Probleme, Überforderung oder veränderte Lebensumstände.

Natürlich gibt es dort auch Hunde mit schlechten Erfahrungen oder Verhaltensauffälligkeiten.

Aber gerade bei einem erwachsenen Hund kann ein gutes Tierheim möglicherweise schon ziemlich viel über seinen Charakter sagen. Die Mitarbeiter erleben ihn über einen längeren Zeitraum, gehen mit ihm spazieren und sehen, wie er auf Menschen, andere Hunde und unterschiedliche Situationen reagiert.

Das kann sogar ein Vorteil sein.

Bei einem acht oder zehn Wochen alten Welpen weiß schließlich ebenfalls niemand exakt, wie sich sein Charakter später entwickeln wird.

Deshalb würde ich mir bei einem Hund aus dem Tierheim Zeit nehmen. Ich würde ihn möglichst mehrmals besuchen, mit ihm spazieren gehen und vor allem mit den Menschen sprechen, die ihn bereits kennen.

Je besser ich einen Hund vor der Adoption kennenlernen kann, desto besser kann ich einschätzen, ob wir wirklich zueinander passen.

3. Mark und Phoebe – wenn aus Tierschutz eine ganz persönliche Geschichte wird

Mit diesem Thema beschäftigen wir uns nicht nur als Tierärzte und Hundehalter.

Unser Webadministrator Mark engagiert sich selbst sehr für den Tierschutz und lebt mit Phoebe, einer ehemaligen Zuchthündin. Phoebe wurde misshandelt und unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten. Diese Erfahrungen haben Spuren hinterlassen – sie ist stark traumatisiert.

Deshalb möchten wir an dieser Stelle Mark selbst kurz erzählen lassen, wie Phoebe zu ihm kam und was die Entscheidung für einen Tierschutzhund für ihn persönlich bedeutet.

Mark erzählt:

Phoebe kam im Oktober 2023 über die französische Tierschutzorganisation HELP 84 zu mir. Vier Jahre lang war sie als Zuchthündin in einem Käfig eingesperrt, mit praktisch keinem Kontakt zur Außenwelt. Die Misshandlung und die nicht artgerechte Haltung haben sie stark traumatisiert – Erfahrungen, die sie bis heute begleiten. Ihr ein Zuhause zu geben bedeutet für mich, ihr Zeit zu lassen, Sicherheit zu schenken und mich über jeden kleinen Schritt zu freuen, mit dem sie Vertrauen fasst. Später stellte uns eine schwere Meningitis vor eine weitere große Herausforderung: Phoebe musste sogar das Laufen wieder lernen. Sie dabei zu begleiten und ihre Fortschritte zu erleben, hat unsere Verbindung noch enger gemacht. Heute ist sie ein geliebtes Familienmitglied, und ich wünsche ihr vor allem, dass sie sich jeden Tag ein bisschen sicherer und geborgener fühlt.

Mehr über unseren gemeinsamen Weg und Phoebes Genesung erzähle ich in einem eigenen Beitrag: „Phoebes Geschichte – ein neues Zuhause und der Weg zurück auf die Pfoten“.

Phoebes Geschichte zeigt für mich sehr schön beide Seiten einer Adoption.

Es kann etwas unglaublich Schönes sein, einem Hund eine zweite Chance zu geben. Gleichzeitig verschwindet die Vergangenheit eines Hundes nicht automatisch in dem Moment, in dem er durch die Haustür seines neuen Zuhauses läuft.

Liebe, Geduld, Sicherheit und ein verlässliches Umfeld können unglaublich viel bewirken. Aber manche Hunde bringen Erfahrungen mit, die ihre neuen Menschen möglicherweise lange begleiten.

Das ist kein Argument gegen eine Adoption.

Für mich ist es vielmehr ein Argument für eine gute und ehrliche Vermittlung.

Denn nicht jeder Mensch passt zu jedem geretteten Hund. Und nicht jeder gerettete Hund passt zu jedem Zuhause.

Gerade deshalb sollte verantwortungsvoller Tierschutz nicht einfach versuchen, möglichst viele Hunde zu vermitteln. Ziel sollte sein, für einen Hund die Menschen zu finden, bei denen er wirklich dauerhaft leben kann.

4. Wie viel weiß ich über die Vorgeschichte des Hundes?

Bei manchen Hunden lässt sich ziemlich genau nachvollziehen, wie sie bisher gelebt haben.

Bei anderen wissen wir nur sehr wenig.

Vielleicht wurde ein Hund gefunden. Vielleicht stammt er aus dem Ausland. Vielleicht gibt es über seine ersten Lebensjahre kaum verlässliche Informationen.

Das muss überhaupt kein Grund sein, diesen Hund nicht zu adoptieren.

Aber es ist eine Information, die ich bei meiner Entscheidung berücksichtigen würde.

Denn manche Verhaltensweisen zeigen sich möglicherweise erst später. Ein Hund kann in einer Tierheimsituation völlig anders reagieren als nach einigen Wochen in einem normalen Haushalt.

Deshalb würde ich bei einer weitgehend unbekannten Vorgeschichte überlegen, wie gut mein eigenes Leben mit solchen Unsicherheiten umgehen kann.

Bei einem erfahrenen Hundehalter in einem ruhigen Haushalt kann das möglicherweise überhaupt kein Problem sein.

Bei einer Familie mit kleinen Kindern würde ich dagegen noch genauer hinschauen.

Nicht weil Tierschutzhunde grundsätzlich ungeeignet für Familien wären – ganz im Gegenteil. In Tierheimen und Pflegestellen warten viele großartige Familienhunde.

Aber wenn kleine Kinder im Haushalt leben, möchte ich möglichst viel darüber wissen, wie ein Hund auf Nähe, Berührungen, schnelle Bewegungen, Lärm und unvorhersehbare Situationen reagiert.

Ein Hund, dessen Verhalten bereits über einen längeren Zeitraum gut bekannt ist, kann dann eine wunderbare Wahl sein.

Entscheidend ist auch hier nicht die Herkunft.

Entscheidend ist, wie gut wir diesen konkreten Hund einschätzen können.

5. Welpe, erwachsener Hund oder vielleicht ein Senior?

Auch im Tierschutz lohnt es sich, nicht ausschließlich nach Welpen zu schauen.

Natürlich sind Welpen unglaublich niedlich. Aber auch hier bedeutet ein Welpe zunächst einmal Arbeit. Stubenreinheit, Ruhe, Alleinbleiben, Leinenführigkeit, Autofahren und viele andere Dinge des täglichen Lebens müssen erst gelernt werden.

Ein erwachsener Hund kann dagegen einige Vorteile haben.

Seine endgültige Größe ist bekannt, sein Temperament lässt sich häufig besser einschätzen und vielleicht weiß man bereits, ob er mit Kindern, Katzen oder anderen Hunden zurechtkommt.

Auch ältere Hunde werden leider schnell übersehen.

Dabei kann gerade ein Senior wunderbar zu Menschen passen, die keinen jungen Hund mit enormem Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf suchen.

Deshalb würde ich mich im Tierheim nicht ausschließlich von Alter, Rasse oder Optik leiten lassen.

Manchmal ist der Hund, den man auf einem Foto vielleicht gar nicht angeklickt hätte, beim persönlichen Kennenlernen genau der richtige.

6. Tierheim, Pflegestelle oder Auslandstierschutz?

Nicht jeder Tierschutzhund wird auf dieselbe Weise vermittelt.

Bei einem Hund im örtlichen Tierheim hast du meistens die Möglichkeit, ihn persönlich kennenzulernen und mehrfach zu besuchen.

Auch eine gute Pflegestelle kann sehr wertvolle Informationen liefern. Denn dort lebt der Hund bereits in einem normalen Alltag. Man weiß möglicherweise, wie er sich im Haus verhält, wie er auf Besucher reagiert, ob er Treppen kennt, wie er Auto fährt oder ob er einige Zeit alleine bleiben kann.

Beim Auslandstierschutz kann die Situation anders aussehen.

Wenn sich der Hund noch im Ausland befindet, basiert die Entscheidung möglicherweise hauptsächlich auf Beschreibungen, Fotos und Videos.

Das bedeutet nicht, dass eine solche Adoption grundsätzlich problematisch ist.

Aber ich muss mir bewusst sein, dass ich diesen Hund möglicherweise wesentlich weniger gut kenne.

Und deshalb würde ich bei einer solchen Vermittlung besonders darauf achten, wie offen die Organisation über das spricht, was sie weiß – und genauso wichtig: über das, was sie nicht weiß.

7. Beim Auslandshund schaue ich auch tierärztlich genauer hin

Bei einem Hund aus dem Ausland interessiert mich aus tierärztlicher Sicht natürlich auch, woher er genau kommt.

Je nach Herkunftsregion können Erkrankungen vorkommen, die wir bei ausschließlich in Deutschland gehaltenen Hunden deutlich seltener sehen.

Dazu gehören beispielsweise Leishmaniose oder Dirofilariose, also Herzwürmer.

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt unter anderem vom Herkunftsland, Alter des Hundes, Zeitpunkt der Einreise und bereits durchgeführten Untersuchungen ab.

Deshalb würde ich mir vorhandene Befunde zeigen lassen und nachfragen, welche Tests bereits gemacht wurden.

Auch Impfstatus, Parasitenbehandlung, Mikrochip und die notwendigen Dokumente sollten nachvollziehbar sein.

Dabei ist mir noch etwas besonders wichtig:

Ein negativer Test bei der Einreise schließt eine Infektion nicht sicher aus. Deshalb empfehle ich, etwa sechs Monate nach der Einreise erneut auf relevante Reisekrankheiten testen zu lassen.

Gerade die Leishmaniose ist tückisch: Zwischen Infektion und ersten Krankheitsanzeichen können viele Jahre liegen – manchmal sogar sieben bis zehn Jahre.

Wenn ein Hund aus dem Ausland bei dir einzieht, würde ich deshalb sämtliche Unterlagen zum ersten Tierarzttermin mitbringen.

8. Woran erkenne ich eine seriöse Tierschutzorganisation?

Ähnlich wie bei einem verantwortungsvollen Züchter finde ich es zunächst einmal positiv, wenn nicht nur ich Fragen stellen darf.

Eine gute Vermittlungsstelle sollte sich auch dafür interessieren, wo ihr Hund zukünftig leben wird.

Wie lange müsste er alleine bleiben? Gibt es Kinder? Leben andere Tiere im Haushalt? Habe ich Hundeerfahrung? Was möchte ich mit dem Hund machen?

Wenn dagegen vollkommen egal zu sein scheint, wer den Hund übernimmt, solange die Schutzgebühr bezahlt wird, würde mich das skeptisch machen.

Genauso möchte ich ehrliche Antworten bekommen.

Wenn ein Hund Schwierigkeiten hat, möchte ich davon wissen.

Hat er Angst vor bestimmten Menschen oder Situationen? Kann er alleine bleiben? Verträgt er sich mit anderen Hunden? Gibt es Probleme mit Katzen? Verteidigt er Futter oder Gegenstände? Hat er schon einmal geschnappt? Gibt es gesundheitliche Auffälligkeiten?

Solche Informationen machen einen Hund für mich nicht zu einem schlechten Hund.

Im Gegenteil.

Wenn eine Vermittlungsstelle auch über Schwierigkeiten offen spricht, ist das für mich eher ein Zeichen dafür, dass ihr tatsächlich daran gelegen ist, das richtige Zuhause für diesen Hund zu finden.

9. Ein Tierheim im Ausland, das Mark persönlich empfehlen kann

Wer sich für einen Hund aus dem Tierschutz interessiert, steht schnell vor einem ganz praktischen Problem:

Wo fange ich überhaupt an zu suchen?

Neben örtlichen Tierheimen gibt es zahlreiche Vereine, Pflegestellen und Rescue-Stationen. Für jemanden, der sich bisher wenig mit dem Thema beschäftigt hat, ist es nicht immer leicht zu beurteilen, welche Organisation wirklich verantwortungsvoll arbeitet.

Mark beschäftigt sich seit Langem mit dem Tierschutz und möchte euch ein Tierheim im Ausland mit deutschsprachigem Team vorstellen, dessen Arbeit er persönlich kennt und besonders schätzt. Das Tierheim bietet auch Praktikanten aus Deutschland die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Tierschutz zu sammeln.

– Angels Garden Xanthi Griechenland –

Angels Garden in Xanthi, Griechenland, gibt Hunden in Not einen sicheren Zufluchtsort und hilft ihnen, ein liebevolles Zuhause zu finden. Das Tierheim wird von deutschsprachigen Mitarbeitenden betreut, hat eine eigene deutschsprachige Facebook-Seite und pflegt enge Verbindungen zu Tierheimen in Deutschland – das erleichtert Interessenten den persönlichen Austausch. Durch meine Unterstützung beim Aufbau der Website bin ich Angels Garden persönlich verbunden und möchte euch diese Anlaufstelle ans Herz legen.
HINWEIS: ALLE Hunde werden geimpft, gechippt, kastriert, entwurmt, auf Mittelmeerkrankheiten getestet und mit einem europäischen Heimtierpass versandt.

Weitere Informationen und die Vorstellung der Hunde findet ihr auf der Website: Angels Garden Xanthi.


Diese Empfehlung sollen natürlich nicht bedeuten, dass es nicht noch viele weitere hervorragende Tierheime und Tierschutzorganisationen gibt.

Und auch bei einer persönlichen Empfehlung würde ich immer selbst Fragen stellen und mir ein möglichst genaues Bild von der Vermittlung machen.

Denn am Ende zählt nicht nur, dass ein Hund vermittelt wird.

Es zählt, dass er in das richtige Zuhause vermittelt wird.

10. Auch beim Tierschutz gilt: Lass dich nicht von Mitleid unter Druck setzen

Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Punkte überhaupt.

Du siehst das Bild eines Hundes hinter Gittern oder liest seine Geschichte und dein erster Gedanke ist:

„Den kann ich doch nicht dortlassen.“

Das ist menschlich vollkommen nachvollziehbar.

Aber Mitleid allein sollte auch bei einer Adoption nicht die Entscheidung treffen.

Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob ich diesen Hund aus seiner jetzigen Situation herausholen kann.

Ich muss mich auch fragen, ob ich ihm anschließend wirklich das Leben bieten kann, das er braucht.

Ein sehr ängstlicher Hund kann beispielsweise in einem ruhigen und erfahrenen Haushalt wunderbar aufgehoben sein. Derselbe Hund könnte mit einem hektischen Familienalltag, mehreren kleinen Kindern und täglich vielen Stunden alleine möglicherweise völlig überfordert sein.

Dann ist niemandem geholfen – am wenigsten dem Hund.

Eine Adoption sollte deshalb für mich keine spontane Rettungsaktion sein.

Sie sollte der Beginn eines dauerhaften Zuhauses sein.

11. Vorsicht: Nicht überall wo Tierschutz steht, steckt guter Tierschutz dahinter

Auch beim Tierschutz würde ich genau hinschauen.

Emotionale Fotos, dramatische Geschichten und die Bezeichnung „Tierschutzorganisation“ allein sagen noch nichts darüber aus, wie seriös eine Vermittlung tatsächlich arbeitet.

Ich möchte wissen, wer hinter der Organisation steht, wo sich der Hund aktuell befindet und wer mein Ansprechpartner ist.

Ich möchte nachvollziehen können, welche Informationen über Gesundheit und Verhalten tatsächlich bekannt sind.

Und ich würde fragen, was passiert, wenn sich nach der Adoption ernsthafte Probleme zeigen.

Besonders skeptisch wäre ich, wenn sehr schnell Geld überwiesen werden soll oder kaum Fragen zum zukünftigen Zuhause gestellt werden.

Auch eine Übergabe irgendwo auf einem Parkplatz oder an einer Autobahnraststätte, ohne dass ich vorher vernünftige Informationen über Hund und Organisation bekommen habe, wäre für mich ein Warnsignal.

Denn leider kann sich hinter vermeintlichem Tierschutz im schlimmsten Fall auch kommerzieller Hundehandel verbergen.

12. Wenn dein Hund einzieht, lass ihn erst einmal ankommen

Der erste Tag mit einem neuen Hund ist aufregend.

Für uns Menschen – und vor allem für den Hund.

Vielleicht hat er in kurzer Zeit sein bisheriges Zuhause, vertraute Menschen oder andere Hunde verloren. Vielleicht kommt er aus einem Tierheim. Vielleicht hat er sogar eine lange Reise aus einem anderen Land hinter sich.

Dann prasseln plötzlich neue Menschen, Gerüche, Geräusche und Erwartungen auf ihn ein.

Deshalb würde ich in den ersten Tagen nicht versuchen, möglichst viel nachzuholen.

Nicht sofort die gesamte Familie einladen. Nicht jeden Freund vorstellen. Nicht direkt den ersten Stadtbummel und das volle Freizeitprogramm planen.

Ein sicherer Rückzugsort, Ruhe und verlässliche Abläufe können zunächst wesentlich wertvoller sein.

Und ich würde meinem neuen Hund Zeit geben.

Manche Hunde wirken anfangs sehr ruhig und zeigen erst nach Tagen oder Wochen mehr von ihrem tatsächlichen Charakter.

Andere sind zunächst aufgeregt oder unsicher und entspannen sich zunehmend.

Ein Hund muss nicht am ersten Tag verstehen, dass er jetzt „zu Hause“ ist.

13. Nach dem Einzug: einmal beim Tierarzt vorstellen

Wenn dein neuer Hund eingezogen ist, würde ich ihn zeitnah tierärztlich untersuchen lassen – auch wenn zunächst alles völlig normal aussieht.

Bring zu diesem Termin sämtliche vorhandenen Unterlagen mit.

Wir können Allgemeinzustand, Herz und Lunge, Augen, Ohren, Maulhöhle, Haut und Fell sowie den Bewegungsapparat kontrollieren und gemeinsam Impfstatus, Parasitenvorsorge und Ernährung besprechen.

Bei einem Hund aus dem Ausland schauen wir zusätzlich auf seine Herkunft und darauf, welche Untersuchungen auf Reisekrankheiten bereits durchgeführt wurden oder noch sinnvoll sein könnten.

Auch hier gilt:

Ein Hund kann vollkommen gesund aussehen und trotzdem gesundheitliche Probleme haben, die man von außen nicht erkennen kann.

Meine Checkliste vor der Adoption eines Hundes

Bevor ein Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz bei mir einziehen würde, möchte ich möglichst viele dieser Fragen mit Ja beantworten können:

☐ Passt dieser konkrete Hund wirklich zu meinem Alltag?

☐ Kenne ich seine Bedürfnisse und sein ungefähres Aktivitätsniveau?

☐ Weiß ich möglichst viel über seine Vorgeschichte?

☐ Wurde offen mit mir darüber gesprochen, was über sein Verhalten bekannt ist – und was nicht?

☐ Weiß ich, wie er auf Kinder, andere Hunde, Katzen und fremde Menschen reagiert?

☐ Konnte ich den Hund – wenn möglich – mehrmals in Ruhe kennenlernen?

☐ Kenne ich bekannte gesundheitliche Probleme?

☐ Sind Chip, Impfungen und vorhandene Unterlagen nachvollziehbar?

☐ Weiß ich bei einem Auslandshund, aus welchem Land und welcher Region er stammt?

☐ Wurden mögliche Reisekrankheiten besprochen?

☐ Interessiert sich die Vermittlungsstelle dafür, wo der Hund zukünftig leben wird?

☐ Habe ich einen Ansprechpartner, wenn nach dem Einzug Fragen oder Probleme entstehen?

☐ Habe ich ausreichend Zeit, Geduld und finanzielle Möglichkeiten für diesen Hund?

☐ Treffe ich meine Entscheidung nicht ausschließlich aus Mitleid?

Wenn ich bei mehreren entscheidenden Punkten keine Antwort bekomme oder ein ungutes Gefühl habe, würde ich mir Zeit nehmen und weiterfragen.

Tierheim, Tierschutz oder Züchter – was ist denn nun richtig?

Darauf gibt es für mich keine allgemeingültige Antwort.

Einem Hund aus dem Tierheim oder Tierschutz ein neues Zuhause zu geben, kann etwas unglaublich Schönes sein. Man gibt einem Tier eine neue Chance und bekommt möglicherweise einen wunderbaren Begleiter fürs Leben.

Aber daraus sollte kein moralischer Wettbewerb entstehen.

Es gibt Menschen und Lebenssituationen, zu denen ein bestimmter erwachsener Hund aus dem Tierheim hervorragend passt.

Andere Menschen haben sehr konkrete Anforderungen an Größe, Eigenschaften, Gesundheit oder spätere Aufgaben ihres Hundes und entscheiden sich deshalb bewusst für einen verantwortungsvoll gezüchteten Welpen.

Beides kann richtig sein.

Und beides kann falsch sein, wenn der ausgewählte Hund nicht zum eigenen Leben passt.

Deshalb ist meine wichtigste Frage immer dieselbe:

Welcher Hund passt wirklich zu diesem Menschen und zu diesem Leben?

Wenn du noch überlegst, ob ein Hund aus dem Tierschutz oder ein Welpe vom Züchter besser zu dir passt, findest du in unserem Ratgeber „Hund kaufen – worauf muss ich achten?“ ausführliche Informationen dazu, wie du einen verantwortungsvollen Züchter erkennst, welche gesundheitlichen Aspekte wichtig sind und worauf du beim Welpenkauf achten solltest.

LINK: https://tiermedizinzentrum-taunus.de/hund-kaufen-worauf-achten/

Bist du nach dem Lesen noch unsicher? Frag uns, bevor der Hund bei dir einzieht!

Viele Hundehalter kommen erst dann zu uns, wenn ihr neuer Hund bereits eingezogen ist. Dabei kann ein Gespräch vor einer Adoption manchmal viel sinnvoller sein.

Du hast einen Hund im Tierheim kennengelernt und bist unsicher, ob er zu deiner Familie passt? Du möchtest einen Hund aus dem Ausland adoptieren und weißt nicht, welche gesundheitlichen Untersuchungen wichtig sind? Oder du hast Unterlagen einer Tierschutzorganisation bekommen, die du nicht richtig einschätzen kannst?

Dann sprich uns gerne an.

Im Tiermedizinzentrum am Zauberberg in Kelkheim beraten wir Hundehalter aus Kelkheim, Königstein, Kronberg, Bad Soden, Hofheim und dem gesamten Taunus gerne auch bevor ein Hund bei ihnen einzieht.

Und wenn ich aus meiner tierärztlichen Erfahrung einen Rat mitgeben dürfte, dann diesen:

Schau nicht zuerst darauf, ob ein Hund vom Züchter, aus dem Tierheim oder aus dem Tierschutz kommt. Schau zuerst darauf, wer dieser Hund ist und ob ihr wirklich zueinander passt.

Denn einem Hund eine zweite Chance zu geben, ist etwas Wunderbares.

Die schönste zweite Chance ist aber die, bei der aus dem neuen Zuhause ein Zuhause für immer wird.

Dr. med. vet. Katja Feuerbacher
Tiermedizinzentrum am Zauberberg – Kelkheim

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche Beratung oder Untersuchung.